Vieles im frühen Film war inspiriert durch das Theater und bis heute steht auch das Theater selbst im Mittelpunkt vieler Filme. Als das neue Medium Film gegen Ende des 19ten Jahrhunderts völlig neue Möglichkeiten eröffnete, bediente es sich bei den bis dahin existierenden Verwandten,- den Theaterbühnen. Frühe szenische Stummfilme waren wie abgefilmte Theaterstücke, mit Auftritten und Abgängen, gedreht in einer Einstellung aus der Position von Theaterzuschauern.
Doch die Filmsprache entwickelte sich rasch und emanzipierte sich von den Vorbildern, den Bühnen. Doch schon bald wurde das Theater selbst zur willkommenen Location für Filmgeschichten, standen die Bühnen, die Probenarbeit, die Schauspieler, die ganze Atmosphäre im Mittelpunkt von Drehbüchern. Insbesondere die Theaterbühnen, die Garderoben und die Probenarbeit wurden als Metapher für künstlerische Identität, gesellschaftliche Dynamiken und persönliche Transformationen verwendet. Zahlreiche Filme erzählen von der Faszination des Theaters und den verschiedenen Konflikten, die es zugleich mit sich bringt – etwa als Ort des Erfolges, der Eitelkeit oder aber auch der existenziellen Krise.
Für die meisten Zuschauer ist das Theater ein Bereich, in dem das Leben stellvertretend dargestellt wird. Sobald das Theater in einem Film auftaucht , stellt sich häufig die Frage, was nun wahrhaftig und was inszeniert ist. Häufig spielen in den Theaterszenen im Film leidenschaftliche Konflikte, großer Gefühle und dramatischer Höhepunkte eine Rolle, welche dann auch etwas mit den privaten Schauspielern, die im Film dann Backstage und in ihrem Leben gezeigt werden, zu tun haben. Zu den Problemen oder Konflikten außerhalb der Bühnenauftritte gehören Intrigen, Rivalitäten, Lampenfieber, Machtkämpfe und persönliche Krisen. Zudem ist es für die Zuschauer ungewöhnlich, die Verwandlung zu einer Rollenfigur hin zu beobachten. Das Spannungsfeld von Identitäten und Illusionen ist für Zuschauer besonders interessant.
Filmliste
- "Applause“ (1929, Regie: Rouben Mamoulian)
- "Die Büchse der Pandora“ (1929, Regie: G.W. Pabst)
- "42nd-Street" (USA 1933, Regie: Lloyd Bacon)
- "Footlight-Parade" (1933)
- "Twentieth-Century" (1934)
- "To-Be-Or-Not-To-Be" (Regie: Ernst Lubitsch, USA 1942)
- "Stage Door Canteen“ (1943, Regie: Frank Borzage)
- "Les enfants du Paradise" (F 1945 Regie: Marcel Carné)
- "A Double Life“ (Ein Doppelleben) (1947, Regie: George Cukor)
- "The Red Shoes" (GB 1948, Regie: Michael Powell)
- "All about Eve" (USA 1950, Regie: Joseph L. Mankiewicz)
- "Limelight“ (Rampenlicht) (1952, Regie: Charlie Chaplin)
- "Curtain-Up" (GB 1952)
- "The-Golden-Coach" (1952)
- "The-Band-Wagon" (USA 1953, Regie: Vincente Minnelli)
- "A Star Is Born“ (1954, Regie: George Cukor)
- "Les Carnets du Major Thompson“ (Major Thompson) (1955, Regie: Preston Sturges)
- "Floating-Weeds" (1959)
- "The Connection" (1961, Regie: Shirley Clarke)
- "Cabaret“ (1972, Regie: Bob Fosse)
- "Theatre of Blood" (1973, Regie: Douglas Hickox)
- "The-Theatre-Of-The-Matters" (1977)
- "Opening-Night" (USA 1977, Regie: John Cassavetes)
- "All that Jazz" (Bob Fosse, USA 1979)
- "Die letzte Metro" (Regie. Francois Truffaut, F 1980)
- "Fame – Der Weg zum Ruhm" (Regie: Alan Parker, USA 1980)
- "Who-Am-I-This-Time" (1982)
- "The-Dresser" (1983)
- "After-the-Rehearsal" (1984)
- "Kleine Haie" (Regie: Sönke Wortmann, D 1992)
- "Noises-off" (1992)
- "Stilles Land" (1992)
- "Vanya-on-42nd-Street" (1994)
- "Being-Julia" (2004)
- "Actresses" (2007)
- "Unten Mitte Kinn" (2011)
- "Casting" (2017)
- "Forever Young" (2022)
Natürlich hat sich das Theater-Milieu auch in zahlreichen Serien-Episoden, vorzugsweise Krimis, wiedergefunden, die wir an dieser Stelle nicht alle einzeln auflisten. Einzelne Serienfolgen etwa von "Columbo", "Mord ist ihr Hobby", "Jonathan Creek“, "Death in Paradise", "Inspector Barnaby“, "Miss Fisher’s Murder Mysteries“ oder auch "Sherlock“ spielten im Theatermilieu. Kein Wunder, schließlich tragen Schauspieler symbolisch gesehen, eine Maske, hinter den Kulissen sind Geheimnisse verborgen und Neid und Intrigen geben hervorragende Mordmotive ab. Es gab aber auch ganze Serien und Mini-Serien, die mit Theater, Bühne, Proben und natürlich Schauspielern zu tun hatten.
Serien
- Slings & Arrows (2003–2006, Kanada)
- Smash (2012–2013, USA)
- The Kominsky Method (2018–2021, USA)
- Fosse/Verdon (2019, USA)
- Barry (2018–2023, USA)
- Fame (1982–1987, USA)