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Gestaltung und Dramaturgie

So viele technische Details gehört es zu beherrschen, dass so mancher sich in diesen Kenntnissen verlieren kann, ohne das Wesentliche der Lichtsetzung jemals zu erfassen. Es geht im eigentlichen Sinn darum, zum jeweiligen Film eine emotional symbolische eigene Lichtführung zu entwerfen.

Dabei sollten geschichtliche, kulturelle und psychologische Faktoren innerhalb des Settings berücksichtigt werden. Der Kern einer Geschichte sollte durch die Art und Farbgebung des Lichtes den Zuschauern näher gebracht werden.

Die Lichtgestaltung prägt grundsätzlich erst einmal Genre und Tonalität eines Films. Haben wir es am Anfang des Filmes mit einem positiven, ungestörten Zustand zu tun, in dem Glück und Hoffnung herrschen, so kann das beispielsweise durch ein helles, freundliches Licht ausgedrückt werden. Entscheidend ist dabei natürlich immer der Kontext, helle Ausleuchtung kann auch klinische Kälte und Leere ausrücken.

Zugleich sollte sich auch so etwas wie eine Handschrift des/der lichtsetzenden Kameramanns/frau erkennbar werden. Fantasie und Gestaltungswille lassen sich sehr stark über das Licht ausformen. Das sind eine ganze Menge Aufgaben für etwas, von dem viele Menschen denken, es ginge lediglich darum die Schauspieler gut aussehen zu lassen. Licht ist so viel mehr als bloße Grundvoraussetzung um Film oder Video richtig belichten zu können.

 

Vorbild: Malerei

Licht Farbig Gang 4000

Das Licht ist die Grundessenz des Films

 

Wo Maler mit dem Pinsel und Farbe gestalten, arbeiten Kameraleute am Drehort mit dem Licht. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Insbesondere in der Anfangszeit des Films, sowie im frühen Hollywoodkino orientierten sich Kameraleute bei der Lichtgestaltung beispielsweise an der holländischen, der italienischen oder auch französischen Genremalerei.

Man kann sogar von Rembrandt-Licht, De la Croix,- George de la Tour,- oder auch Caravaggio-Stil sprechen, wenn die Kameraleute mit ähnlichen Mitteln eine mystische Atmosphäre herstellten.

Bis in die heutige Zeit gibt es darüber hinaus auch immer wieder Filme, bei denen man sich direkt auf die Lichtdarstellung der alten Meister beruft. Als Beispiele seien etwa "Caravaggio" über den gleichnamigen Maler,(Regie: Derek Jarman) oder "Das Mädchen mit dem Perlenohrring" über den holländischen Maler Jan Vermeer (Regie: Peter Webber) genannt.

Doch nicht nur bei den alten Meistern, sondern auch bei Malern der Moderne orientieren sich Kameraleute manchmal. Ob es die kräftigen Farbkontraste bei Vincent van Gogh oder die farbigen Lichteffekte in den Schatten bei den Impressionisten waren, vieles davon findet sich in der Lichtgestaltung zahlreicher Filme wieder. Als Beispiel könnte man hier etwa "Die roten Schuhe" (Regie: Michael Powell) nennen.

 

Parallelen zum Drehbuch

Dabei kommt dem Licht eine ähnliche Aufgabe zu, wie der Dramaturgie in einem Drehbuch. Das Licht kann Spannungsbögen, Aufmerksamkeitskurven, emotionale Steigerungen und vieles mehr bewirken. Selbst "Peaks and Valleys" kann man in Lichtsetzung übertragen. So kann man beispielsweise unterschiedliche Milieus etwa die enge Arbeitersiedlung und die großzügige Villa der Industriellen über unterschiedliche Lichtgestaltung unterstreichen. Während vielleicht die kleinen Fenster, die niedrigen Räume in der Siedlung auch entsprechend weniger und kontrastreicheres Licht zur Folge haben, ist es vielleicht in der Villa heller, duftiger, weniger kontrastreich geleuchtet. Licht kann im Kino auch den Zugewinn an Erkenntnis symbolisieren oder umgekehrt das Fehlen von Licht die mangelnde Erkenntnis.

Dunkelheit kann auch einen Mangel an Klarheit an Sichtbarkeit bedeuten, zwielichtige Gestalten in einem Film werden vielleicht im wahrsten Sinne des Wortes das helle Licht scheuen. Natürlich kann auch die Farbtemperatur oder farbiges Licht genutzt werden, zwischen gemütlichen, anheimelnden Situationen und kalten Situationen zu unterscheiden. Der Weg unserer Protagonisten durch die Story hindurch hin zu dem erhofften Ende kann eben auch ein Weg ins Licht, in hellere Räume oder ein Weg hin zu mehr Wärme, mehr Menschlichkeit sein. Das Licht, in welchem wir unsere Filmfiguren zeigen, ist ein wichtiger Begleiter auf diesem Weg.

Es gibt vielfältige Möglichkeiten, die Charaktere im Film, ihr Umfeld und auch ihre Entwicklung durch die Lichtführung zu unterstützen. Lichtdramaturgie gehört mit zu den Aufgabenbereichen der Kamera in Absprache mit dem Licht-Department.

 

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