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Comicverfilmungen scheinen seit geraumer Zeit das Hollywood Mainstreamkino zu beherrschen. Dass erfolgreiche Romane verfilmt werden, gehört eigentlich zur Filmgeschichte untrennbar dazu. Für Produzenten eine praktische Möglichkeit, das Risiko zu minimieren, schließlich war der Filmstoff, wenn es sich um Bestseller handelt, bereits als Printversion erfolgreich. Was haben einige der weltbesten Comics für eine Erfolgsgeschichte hingelelegt! Davon zeugt eine riesige Fangemeinde und die regelmäßigen Messen und Kongresse wie die Comic-Con San Diego rund um die gezeichneten Abenteuer. Was macht ihre große Beliebtheit aus?

 

Weltordnung

Das Interesse an Comic-Helden ist offenbar riesig. Und das war es bereits, bevor sie im Fernsehen und im Kino Erfolgsgeschichte schrieben. Natürlich könnte man sagen, die Menschen sehnen sich danach, über ähnliche Superkräfte zu verfügen. Doch das greift zu kurz, es ist mehr, es ist vor allem das, wofür die Superhelden stehen, nämlich das Gute – sie kämpfen gegen Ungerechtigkeit, Korruption und Unterdrückung. Und sie tun dies mit all ihnen zur Verfügung stehenden, besonderen Fähigkeiten, sie fliegen, klettern an Hausfassaden entlang, können sich unsichtbar machen, können sich mit Superkräften selbst gegen Monster wehren.

Während unsere reale Alltagswelt immer komplexer zu werden scheint und reale Bösewichte sich in politische Machtpositionen hineinkaufen oder hineinmanipulieren und sich dort bereichern, herrschen in der Welt der Superhelden noch klare Werte: Mut, Opferbereitschaft, Loyalität und der Schutz der Schwachen. Damit haben sie eine gewisse Verwandschaft zu Geheimagenten im Kino. Gerade wenn die reale Welt aus den Fugen zu geraten scheint, wenn Pandemien, Diktatoren und Kriegstreiber die Menschen besorgen, sind Superheldenfilme und Comics willkommene Ablenkungen, um dem Alltag zu entfliehen.

In politisch instabilen Zeiten lässt sich beobachten, dass Superhelden sich noch größerer Beliebtheit erfreuen. In den Jahren der ersten Trump-Präsidentschaft (2016–2020) beispielsweise, stieg die Anzahl an Superheldenfilmen und -serien beispielsweise sehr stark an. Inzwischen ist das Genre etwas weniger von Männern dominiert, langsam verschiebt sich da mit She-Hulk, Wonder Woman, Black Widow, Harley Quinn, Scarlet Witch, Batgirl, Mystique, Captain Marvel, Invisible Woman und Ms. Marvel endlich etwas.

In den Welten der Superhelden sind unmögliche Dinge möglich und es gibt Heldenfiguren, welche die Ordnung in der Welt wieder herstellen. Das Prinzip dahinter hat es schon in der Antike und in Sagen gegeben, Herkules, Odysseus, Thor oder später Siegfried waren Vorläufer der heutigen Comic-Superhelden.

Kein Wunder also, dass erfolgreiche Comics sich dann auch irgendwann auf den Kinoleinwänden wiederfanden. Allerdings ist es natürlich etwas anderes, wenn man ein eher wenig visuelles Medium wie einen Roman verfilmt als wenn man die bereits hervorragenden Zeichnungen eines Comics zu realen Filmen werden lässt. Daran müssen sich die realen Charaktere der Verfilmungen erst einmal messen lassen.

 

Frühstart

Übrigens finden sich verfilmte Comics schon recht früh in der Filmgeschichte, "Little Nemo“ (1911, Regie: Winsor McCay & J. Stuart Blackton als Zeichentrickfilm), "Bringing Up Father“ (1928, Regie: Jack Conway), "Flash Gordon“ (1936, Science Fiction Serial mit Buster Crabbe) und „Dick Tracy“ (1937, Serial) galten als frühe Verfilmungen von den damals beliebten Zeitungs-Comics und ab Ende der 20er Jahre auch Comic-Heft-Verfilmungen.

Natürlich gab es da auch ein Zwischenstadium,- die animierten Comicverfilmungen, in Form von Zeichentrickfilmen. Doch an dieser Stelle geht es um die mit realen Schauspielern visualisierten Comics der großen Comic-Verlage Marvel, DC und Anderer. Die ersten Superhelden-Verfilmungen in Form von (TV) Schwarzweiß-Serien gab es dann ab den 40 er Jahren, beginnend mit „Adventures of Captain Marvel“ (1941, Serial), „Batman“ (1943, Serial), „Superman“ (1948, Serial mit Kirk Alyn), „The Phantom“ (1943, Serial) und „Superman and the Mole Men“ (1951, mit George Reeves).

 

Neue Ära

 

In längere Spielfilme schafften es die Superhelden dann in den 60er Jahren mit „Batman: The Movie“ (1966, mit Adam West & Burt Ward) und endgültig mit „Superman: The Movie“ (1978, mit Christopher Reeve, Regie: Richard Donner), wobei es "Superman: The Movie" war, der das neue Zeitalter, ja eine ganze Ära der großen Superhelden-Comivverfilmungen einläutete.

Da Superhelden sowie ihre Gegenspieler in Comics stets über atemberaubende Superkräfte verfügen, waren es auch die immer besser werdenden VFX-Trickmöglichkeiten, welche zu einer wahren Flut an Bildstarken Comicverfilmungen geführt haben. Kaum ein US-Star der nicht irgendwie der Comic-Filmverrücktheit Hollywoods erlegen ist und mitgespielt hat.

 

Marvel

● Iron Man (2008) - Regie: Jon Favreau

● The incredible Hulk (2008)- Regie: Louis Leterrier

● Iron Man 2 (2010) - Regie Jon Favreau

● Thor (2011) - Regie: Kenneth Branagh

● Captain America: The First Avenger (2011) - Regie: Joe Johnston

● The Avengers (2012) - Regie: Joss Whedon

● Iron Man 3 (2013) - Regie: Shane Black

● Thor: The Dark World (2013) - Regie: Alan Taylor

● Captain America: The Winter

● Soldier (2014) - Regie: Anthony & Joe Russo

● Guardians of the Galaxy (2014) - Regie: James Gunn

● Avengers: Age of Ultron (2015) - Regie: Joss Whedon

● Ant-Man (2015) - Regie: Peyton Reed

● Captain America: Civil War (2016) - Regie: Russo-Brüder

● Doctor Strange (2016) - Regie: Scott Derrickson

● Guardians of the Galaxy Vol. 2 (2017) - Regie: James Gunn

● Spider-Man: Homecoming (2017) - Regie: Jon Watts

● Thor: Ragnarok (2017) - Regie: Taika Waititi

● Black Panther (2018) - Regie: Ryan Coogler

● Avengers: Infinity War (2018) - Regie: Russo-Brüder

● Avengers: Endgame (2019) - Regie: Russo-Brüder

● Black Widow (2021) - Regie: Cate Shortland

● Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings (2021) - Regie: Destin Daniel Cretton

● Eternals (2021) - Regie: Chloé Zhao

● Spider-Man: No Way Home (2021) - Regie: Jon Watts

 

DC

● Man of Steel (2013) - Regie: Zack Snyder

● Batman vs Superman: Dawn of Justice (2016) - Regie: Zack Snyder

● Suicide Squad (2016) - Regie: David Ayer

● Wonder Woman (2017) - Regie: Patty Jenkins

● Justice League (2017) - Regie: Zack Snyder (ursprünglich) / Joss Whedon (Kino-Version)

● Aquaman (2018) - Regie: James Wan

● Shazam. (2019) - Regie: David F. Sandberg

● Birds of Prey (2020) - Regie: Cathy Yan

● Wonder Woman 1984 (2020) - Regie: Patty Jenkins

● The Suicide Squad (2021) - Regie: James Gunn

● Zack Snyder's Justice League (2021) - Regie: Zack Snyder (Director's Cut)

 

Andere bekannte Comics

● Blade (1998) - Regie: Stephen Norrington (Marvel-Vorlage, aber vor
MCU)

● X-Men (2000) - Regie: Bryan Singer (Marvel, aber nicht im MCU)

● Spider-Man (2002) - Regie: Sam Raimi (Marvel, Sony-Produktion)

● Kick-Ass (2010) - Regie: Matthew Vaughn (basierend auf einem Marvel-Comic)

● Watchmen (2009) - Regie: Zack Snyder (DC, aber außerhalb des DCEU)

● Hellboy (2004 - Regie: Guillermo del Toro, Dark Horse Comics)

 

Menschen mögen Superhelden, weil diese Kraft und Hoffnung in schwierigen Zeiten verbreiten, zugleich aber auch verletzliche und zutiefst menschliche Figuren sind. Was die Superhelden für viele Zuschauer nämlich zusätzlich interessant macht ist, dass sie häufig "ganz normale" Bürger sind, teilweise ängstlich und schüchtern, manchmal Außenseiter, die erst durch ihre Verwandlung Superkräfte erlangen. Nicht wenige Superhelden sind besondere Persönlichkeiten, man denke nur an Spider Man und seine schwierige Schulzeit, Batman der als Waise aufwuchs oder auch die X-Men, die gesellschaftliche Außenseiter sind. Insbesondere die mögliche Identifikation mit dem Außenseiter ermöglicht es den Zuschauern, in den Superhelden ihre eigenen inneren Konflikte wiederzuerkennen.

In unserer Zeit sind Superhelden definitiv Projektionsflächen für gesellschaftliche Wünsche und Ängste. Sie sind ein moralischer Gegenentwurf zu Populismus und Machtmissbrauch, sind zugleich auch ein stilisiertes Mittel für Protest, Sehnsüchte und Identitätssuche.

 

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