Film Akademie in der Stadt der Künstler - Florenz
Ein persönlicher Erfahrungsbericht über ein Trimester "Filmmaking" am Campus "Italy": Aufregende Zeiten im Tri-Semester “Filmmaking” der New York Film Academy (kurz NYFA) in Florenz. Der Englisch-sprachige Filmstudiengang basiert auf, man möchte es kaum glauben, der amerikanischen Schule des Filmemachens. Das Besondere am Campus "Italy" der NYFA in Italien ist aber, dass die Professoren größtenteils Italiener sind und damit den Geschmack der europäischen Kunst so wie des Filmemachens immer wieder im Unterricht prägen.
Eine tolle Kombination, die durch das künstlerische Wesen, das sich am lebendigen Tage, aber auch bei Nacht in der Weltstadt widerspiegelt. Man kennt die vielen kleinen Geschäfte aus Italien mit den mindestens tausenden von Seitenstraßen, die mindestens genau so viele Geschichten erzählen können. Eine Menge Stoff zur Inspiration! Florenz wurde durch die Medici-Dynastie geprägt, die den Bau von Plätzen und Gebäuden förderte, die oft auf symmetrische und zentrale Strukturen ausgerichtet waren. Spätestens jetzt wird einem die Bedeutung des goldenen Schnitts bewusst. Aber damit nun zu etwas mehr harten Fakten was den Unterricht angeht.
Das Pensum
Das Tri-semester sowie die vierwöchigen Kurse sind mit ‘intensiv’ ausgeschrieben. Das heißt man kann erahnen worauf man sich hier einlässt. Es gibt aber auch längere ein- /zwei Jahresprogramme wem das zu schnell gehen sollte. Obwohl wir ständig am - Drehen, Schneiden, Screenen, Feedback einholen und wieder Schreiben - sind, ist die Lernkurve erstaunlich steil. Oft Shooten wir an Wochenenden und haben damit relativ wenige Pausen zum Einatmen übrig. Innerhalb weniger Wochen wurden wir mit Crash Kursen zu Cinematography, Directing, Screenwriting und Editing auf ein Level gebracht, das womöglich in einem Jahresstudium noch mehr Theorie und Zeit erfordert hätte.
Für mich ist das Trimester genau richtig wenn es um die steile Lernkurve in kurzer Zeit geht. Ich durfte innerhalb von wenigen Wochen meine Art des Geschichtenerzählers durch das Objektiv und am Set kennenlernen und erste Kurzfilme mitnehmen die ich später auch weiterverwenden kann. Allerdings würde ich aber auch behaupten das schnelle Drehen ist ein zweischneidiges Schwert, da ich mir persönlich gerne noch mehr Zeit nehmen möchte, um den Kern einer Geschichte herauszukristallisieren. Manchmal ist es überfordernd, direkt am nächsten Tag nach einer Screenwriting und Directing Class ein Production Book vorzulegen und den Film noch in der gleichen Woche zu drehen.
Puh! Einmal kurz durchatmen bitte
Und trotzdem auch wenn das Ergebnis nicht perfekt und ausgefeilt ist, so ist es doch mehr als ausreichend und unglaublich praktisch und durch eigene Fehler beim Machen zu lernen. Ergänzt durch erfahrene Stimmen die rund um die Uhr erreichbar sind. Nur um einen groben Überblick zu geben. Allein seitdem wir begonnen haben, also in den letzten fünf Wochen,- haben wir: eine Misé en Scene, Continuity Shot, ein Musikvideo und POV Kurzfilm gedreht. Bisher waren uns Dialoge noch nicht erlaubt um die Geschichten erst einmal nur durch die richtigen Framings, Objektive, Schauspielführung, Kontinuität, Story, Licht, Sound etc. zu erzählen. Kaum zu glauben aber es geht in die sechste Woche und wir werden das erste Mal auch Dialoge schreiben.
Die Kosten
Das Studium an sich ist m.E. nach ziemlich unerschwinglich für junge Filmemacher:innen die gerade erst loslegen obwohl Bildung allen die Film machen wollen zustehen sollte. Zum Glück gibt es das movie-college! Mit Technikgebühren, Lebenshaltungskosten in Florenz kommt man hier locker auf die 14000 € für ein Trimester, was für mich unmöglich gewesen wäre ohne Stipendium. Ja, es gibt Stipendien und darüber hinaus scheinbar auch öfter mal ausgewählte Kollaborationen wie z.B. mit der National Coalition Against Censorship (NCAC), dessen Gewinner:innen einen 4 Wochen Intensivkurs an einem von NYFA’s Standorten in Amerika (New York City, Los Angeles, Miami) oder online erhalten konnten (exklusive Lebenshaltungskosten).
Die Atmosphäre
Ganz nebenbei lernt man natürlich interessante Menschen kennen die einem oft in vielerlei Hinsicht sehr ähnlich sind. Beispielsweise, weil sie selbst die Erfahrung gemacht haben, dass das Filmemachen eine besondere Härte mit sich bringen kann (Überstunden, Budget, physische Belastung). Die Schattenseiten will ich gar nicht groß erwähnen, aber nach jedem langen Drehtag war ehrlicherweise auch immer die Freude sehr sehr groß, die ganzen Herausforderungen (im Team) gemeistert zu haben. Und wenn sie nicht beim ersten Mal gemeistert wurden, dann erschloss sich die Möglichkeit in der darauffolgenden Woche nochmal von Neuem loszulegen.
Resümee
Würde ich ein Studium in Florenz and der NYFA empfehlen? Ja. Die Professor:innen sind unglaublich passioniert und kümmern sich sehr um die Student:innen. Der Stoff ist kondensiert auf das wichtigste und bereitet einen gut für das praktische Arbeiten vor. Meiner Meinung nach braucht es kein ewig langes Studium um das Handwerk des Films zu lernen. In einem solchen Kurs werden einem die Basics beigebracht und was man damit macht und wie man es vertieft - ob man an Filmsets arbeitet, oder selber dreht - ist einem selbst überlassen. Wir lernen zum Ende hin noch mehr über das Pitching und den Markt. Ich bin gespannt und hoffe ich kann möglichst bald bei verschiedenen Produktionen Fuß fassen um das Gelernte frisch zu halten.
In der Zwischenzeit genehmige ich mir noch etwas von der wohl verdienten Pasta der Trattoria um’s Eck, schaue über den Arno Fluss, der die Stadt durchquert und bin dankbar, dass dieser Traum gerade in Erfüllung geht.
Hier ein kleiner Ausflug zu meinem kürzlich gedrehten Continuity Kurzfilm "Good Ol’ Days"
https://vimeo.com/1067694310
Erfahrungsbericht von Fatbardhë Hakaj, März 2025